Haargele im Test: Cool gestylt – für kurze Zeit

„Mega starker Halt“ für „extreme Looks“ – Haargele werben meist mit Superkräften. Die Stiftung Warentest hat 15 teure und güns­tige Gele getestet – an Personen und im Labor. Im Test: Bekannte Marken wie Schwarz­kopf, Wella und Marlies Möller sowie güns­tige Ware aus dem Drogerie- oder Supermarkt (Preise: 0,57 bis 24,50 Euro pro 100 Milliliter). Unter den fünf guten Gelen findet sich auch eines der güns­tigsten Produkte. Doch nicht jedes Haargel über­zeugt in puncto Durch­halte­kraft und Inhalts­stoffe.

Haargel liegt wieder im Trend

„Haargel ist heute wieder ein Thema, anders als noch vor wenigen Jahren“, sagt Steven Meth vom Zentral­verband des Deutschen Friseur­hand­werks. „Styling­produkte dürfen im Haar wieder sicht­bar sein. Im Moment sieht man Gel auch bei langem Haar auf dem Laufsteg.“ Deutsch­land­weit greifen rund vier Millionen Menschen mehr­mals pro Woche zu Haargel, ergab eine Umfrage der Arbeits­gemeinschaft Verbrauchs- und Medien­analyse. Meist sind es Männer. Andere beliebte Helfer für modische Frisuren sind Wachs, Pasten, Haarlack und Schaum­festiger.

Haltegrad mit begrenzter Aussagekraft

Von Haargel erwarten wir, dass es die Haare formt, aber nicht verklebt oder beschwert. Und dass es Wind und Wetter trotzt, aber leicht auswasch­bar ist. Die Gele im Test protzen vor allem mit Versprechen zur Halt­barkeit: „24 h ultra starker Halt“ heißt es etwa bei L‘Oréal, „ohne Rück­stände, ohne Verkleben, ohne zu beschweren“ bei Rewe und Penny. Auf vielen Tuben steht ein Haltegrad, der zeigen soll, wie stark das Gel ist. Im Test reicht er von 4 bis 8. Nutzern hilft er nur begrenzt: Es gibt keine einheitliche Definition. Jeder Anbieter erfindet eigene Skalen.

Das bietet der Haargel-Test der Stiftung Warentest

Test­ergeb­nisse. Unsere Tabelle zeigt Bewertungen für 15 Haargele, darunter klassische Marken wie L‘Oréal und Wella, Friseur­produkte von Marlies Möller und Schwarz­kopf Pro­fes­sional sowie güns­tige Produkte von dm, Ross­mann, Aldi Süd und Edeka. Die Gele wurden im Hinblick auf das Styling­ergebnis (zum Beispiel Festig­keit, Volumen, Glanz) und die Halt­barkeit geprüft. Fünf Haargele schneiden gut ab, darunter ein sehr güns­tiges Produkt.

Hintergrund. Die Kosmetik-Experten der Stiftung Warentest erklären Wirkungs­weisen und Vor- und Nachteile verschiedener Festiger-Typen wie Gele, Wachse, Pasten und Sprays. Außerdem gehen sie auf den Umstand ein, dass viele Haargele lösliche Poly­mere ent­hal­ten, die von manchen Experten als Mikro­plastik einge­stuft werden.

Heft­artikel. Wenn Sie das Thema frei­schalten, erhalten Sie Zugriff auf das PDF zum Testbe­richt aus test 9/2018.

Nur zwei Haargele bewiesen wirk­lich starken Halt

Die Stiftung Warentest hat die Haargele mehreren Prüfungen unterzogen. Zwei Friseure beur­teilten mithilfe von 22 Prüf­personen das Styling­potenzial der Gele – etwa in Bezug auf Festig­keit, Volumen und Glanz der Frisuren. Im zweiten Schritt benutzten Test­personen die Haargele zu Hause und bewerteten, wie sie sich im Alltag anwenden lassen. Und schließ­lich prüften wir die Halt­barkeit der Gele im Labor. Dazu schüttelten wir beispiels­weise gegelte Haarlo­cken, um so eine Tragedauer von einem Tag zu simulieren (siehe Foto). Fazit: Gute Styling­ergeb­nisse lassen sich mit vielen Produkten erzielen, doch im Punkt Halt­barkeit sollten Nutzer lieber realistische Erwartungen haben. Nur zwei Gele hielten die Locken super in Form: ein güns­tiges aus der Drogerie und ein teureres aus dem Friseurfach­handel. Insgesamt verdienen 5 von 15 Gelen die Gesamt­note Gut.

Besser ohne den Duft­stoff Lilial

Vier Haargele werteten wir wegen des Duft­stoffs Lilial ab. In Inhalts­stoff­listen taucht er unter dem Namen Butylphenyl Methyl­propional auf. Grund für die Abwertung: Lilial kann möglicher­weise das Erbgut verändern. Im Tier­versuch zeigte sich zudem, dass Lilial die Fort­pflan­zungs­fähig­keit beein­trächtigen kann. Solange es keine Entwarnung gibt, hat Lilial unserer Ansicht nach in Kosmetika nichts zu suchen.

Einige Film­bildner sind schwer abbaubar

Alle Haargele enthalten wasser­lösliche Poly­mere, auch Film­bildner genannt. Diese Kunststoffe sorgen erst für die gelartige Konsistenz der Produkte und dafür, dass das Haar fest wird. Sie werden mit Löse­mitteln wie Wasser oder Alkohol kombiniert. Wenn die Löse­mittel verdunsten, setzen sich die Poly­mere am Haar ab, über­ziehen es wie ein feines Netz und härten aus. Die ökologischen Auswirkungen der Poly­mere sind unzu­reichend erforscht und schwer abzu­schätzen. Darum haben wir die verwendeten Poly­mere nicht bewertet. Klar ist aber, dass einige – etwa Carbomer, PVA und PVP – schwer abbaubar sind.

Naturkosmetika eine umwelt­freundliche Alternative

Umwelt­bewusste Nutzer können zu den zwei Naturkosmetik-Gelen im Test greifen. Sie verwenden natürliche Poly­mere wie Schellack oder Xanthan Gummi, die durch Mikro­organismen voll­ständig abge­baut werden können. Beide erwiesen sich als echte Alternative zu konventionellen Haargelen: Die Styling-, Halt­barkeits- und Anwendungs­prüfung bestanden sie mit der Note Gut. Konsistenz und Duft sind allerdings gewöhnungs­bedürftig, wie unsere Prüf­personen berichten.

Quelle: Test.de

Zusammenhängende Beiträge